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Mount St.Elias

Von der Idee zum Film


Der Ansatz des Films ist, die Beziehung zwischen Mensch und Berg in ihrer extremsten Form zu erzählen. Der Film hinterfragt, warum Menschen immer wieder an ihre physischen und mentalen Grenzen gehen. Im Zentrum der Beobachtung steht das Zusammenspiel von Körper und Geist, das bei Extremsportlern ein besonders hohes Niveau erreicht. Das emotionale Portrait über die Motivation und Fähigkeiten dieser Männer, die ein Leben am Rande des Abgrunds führen, dokumentiert eindrucksvoll, was ihre Beweggründe dafür sind und wie sie ihre hochgesteckten Ziele erreichen.


Die Offenbarung

Die Idee zu diesem Film wurde 2003 geboren, als Extremskifahrer Axel Naglich gemeinsam mit seinem Freund Heli Putz und Skiflugzeugpilot Paul Claus auf der Suche nach einer Speedski-Location über den Mount St. Elias flog. Die Nähe des Berges zum Meer faszinierte ihn vom ersten Moment an. Der Traum eines einmaligen Weltrekords – mit Skiern die längste Skiabfahrt der Welt zu wagen – ließ ihn seither nicht mehr los. Er stellte das Projekt Red Bull vor und von diesem Augenblick an hatten sie denselben Traum.

Skialpinismus zählt zu den gefährlichsten Sportarten der Welt und vereint jene Fertigkeiten, die für einen anstrengenden Aufstieg benötigt werden mit der Technik und der Nervenstärke, die für eine gefährliche Abfahrt lebensnotwendig sind. Skialpinismus verlangt unvergleichliche physische wie mentale Ausdauer, perfekte Körperbeherrschung, jahrelange Erfahrung in den Bergen und die Fähigkeit, in Sekundenbruchteilen Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen.


Das Wetter – der bestimmende Faktor

Eine Erklärung, warum ein Unterfangen wie Mount St. Elias noch nie in Angriff genommen wurde, ist schnell gefunden: Seine Abgeschiedenheit – der Berg liegt im 53.420km² großen Wrangell St. Elias Nationalpark (im Vergleich dazu: die Schweiz hat eine Gesamtfläche von 41.285km²) – und seine extremen Temperaturen. Selbst unter ‚normalen’ Bedingungen ist es eine logistische Herausforderung, bedenkt man wie viel Ausrüstung für einen erfolgreichen Aufstieg und die folgende Befahrung nötig ist.

Laut Dr. Karl Gabl, Meteorologe in der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Innsbruck, der die Expedition betreut hat, hat die Nähe zum Meer zur Folge, dass das Wetter schlagartig wechseln kann: „Die Entscheidung über einen Versuch obliegt immer den Bergsteigern, eine Entscheidung zwischen Leben und Tod. Aufgrund der enormen Größe der Berges bestand immer die Gefahr, die Orientierung im Nebel oder dichten Schneetreiben zu verlieren und Gefahr zu laufen, schlicht zu erfrieren oder abzustürzen. Ähnlich zu in Europa bekannten Wettermustern wie das „Azorenhoch“ oder das „Islandtief“, kann das „Aleutentief“ wochenlang in seiner Position verharren. So kann dieses Tief mit seinen kalten und warmen Fronten und der permanenten Zufuhr feuchter Luft vom Golf von Alaska ergiebigste Schneefälle im Gebiet um den Mount St. Elias verursachen.“

Vor April ist an einen erfolgreichen Versuch nicht zu denken. Massive Schneefälle von etwa 40m pro Jahr und der berüchtigte Frost machen dies schier unmöglich. Die vereisten Frühjahrsbedingungen am Berg und die Steilheit des Geländes von zum Teil mehr als 50° lassen jeden Aufstiegsversuch scheitern. Eine Abfahrt in den wärmeren Monaten ist schon aufgrund der Wetterbedingungen zum Scheitern verurteilt, da Wolken etwa ein Drittel des Berges verhüllen und die Lawinengefahr unberechenbar hoch ist.

Die US-Regierung hat über dieses Gebiet ein absolutes Landeverbot für Hubschrauber verhängt. Was bedeutet, dass nur Paul Claus, vielleicht der einzige Pilot des Landes, der imstande ist, mit einer „Turbine Otter“ in diesem Gebiet zu landen und auch eine Genehmigung dafür besitzt, regelmäßig den Berg überfliegt. Ein Rettungshubschrauberflug von und nach Anchorage dauert etwa drei Stunden und damit genau die Zeit, die ein Hubschrauber in der Luft bleiben kann. Konsequenzen für Fehler werden hier oben unter Umständen zum Schicksal. Der Berg trägt nicht zu Unrecht den Beinamen „The Unmerciful – Der Gnadenlose“. Die Strafe für Fehler ist oftmals fatal.

„Die Wetterverhältnisse im Golf von Alaska waren ein bestimmender Faktor. Präzise Vorhersagen waren deshalb essentiell für die Expedition. Für eine bestmögliche Beurteilung der Wetterverhältnisse für den nächsten Tag stand das Team ständig mit diversen Wetterstationen über Satellit in Verbindung. Das Wissen um die Wichtigkeit des Faktors Wetter und der Schwierigkeit des Unterfangens, ermöglichen es dem Zuschauer im Film die Intensität der Entscheidungen und der resultierenden Dynamik dieses rekordbrechenden Versuchs hautnah mitzuerleben“, führt Dr. Gabl aus, „trotz allem blieb das Unternehmen Mount St. Elias mit seinem unberechenbaren Wetter eine Bauchentscheidung. Das Team musste zu einem gewissen Grad einfach akzeptieren, dass manche Entscheidungen schlussendlich nur aufgrund eines Gefühls getroffen werden konnten.“


Gletscher

Die enormen Ausmaße dieses Berges sind in europäischen Dimensionen unvorstellbar. Küstennahe Gletscher haben im Gegensatz zu anderen, die unter der globalen Klimaänderung leiden, ihre eigenen Regeln. Diese Gletscher wachsen noch um mehr als 9m Schnee pro Jahr. Extrem niederschlagsreiche Luftmassen vom Meer  ermöglichen dies.

Der größte Gletscher dieses Typus ist der Hubbard-Gletscher, 50 Kilometer außerhalb von Yakutat (der größten Siedlung im National Park, 290 Kilometer entfernt vom Mount St. Elias). Die Stadt schafft es aufgrund eines Naturspektakels jeden Sommer auf die Titelseiten der Welt. Der Gletscher kalbt und für kurze Zeit wird aus dem Russel-Fjord der Russel-See. Dieses Naturschauspiel ist jedoch auch Grund zur Besorgnis, da befürchtet wird, dass in Zukunft der Gletscherblock zerbrechen könnte und das aufgestaute Wasser die Stadt überflutet.